Von guten Auftrittsorten und speziellen Personen

Von 30. August 2007 Fasnacht Keine Kommentare

Es ist schon einige Zeit her, seit wir das letzte Mal mit den Harlekinos unterwegs waren und ich bin euch Lesern dazu noch einen Blog schuldig. Vor allem auch, weil mich schon zwei Personen darauf angesprochen haben – ich hoffe allerdings, dieser Blog hat mehr Leser als nur die beiden angesprochenen Personen. Ich will euch gesülze wie „ich war so beschäftigt“ oder „ich hatte so viel um die Ohren“ ersparen und ein paar Eindrücke von den Brandons d‘ Yverdon zu Papier – wenn auch nur virtuell – bringen.
Das erste, was mir dabei in den Sinn kommt, ist, dass wir am Samstag sehr, sehr, sehr früh aufstehen mussten, da wir um sieben am Morgen losgefahren sind. Aber: der Peter, unser Lieblings-Carchauffeur, war wieder mit von der Partie. Neben Kaffee, Comella und Gipfeli gab es während der Fahrt auch noch Sandwiches, so dass wir gut genährt – mehr oder weniger aufs Mittagessen – in Yverdon ankamen.
An diesem Samstag haben wir viel gespielt, unser Guide hat uns von Auftritt zu Auftritt schon fast gedrängt, aber wir sind zum musizieren gekommen. Zwei dieser Auftritte haben mir besonders gu gefallen. Einer in einer richtig guten Beiz, mit Filmplakaten und Bücherregalen an den Wänden. Gut dass mir das gefallen hat scheint einzuleuten, sind doch alte Filme und Bücher zwei Steckenpferde von mir. in der Beiz herrschte eine richtig gute Atmosphäre und den Gästen scheint unsere Musik auch gepasst zu haben, hat mir doch eine ältere Dame am Tisch nebenan spontan ein Bier bezahlt. Vielleicht war es ja auch mein Charme, mein gutes Französich oder meine perfekte Schminke. 🙂
René im TabakladenEin anderes Konzert gaben wir auf der Gasse vor einem schnuckeligen Tabaklädeli. Die Besitzer – ein älteres Ehepaar – haben sich etwas spezielles einfallen lassen. Da wir so um vier Ur bei ihnen spielten, organisierten sie für uns einen Z’vieri: Wein und selbstgebackene Schinkengipfeli. Als Dankeschön spielten wir danach in ihrem Lädeli und dieser Auftritt gehört für mich zu den Besten in Yverdon. Die ganze Gugge im kleinen Laden, René nur mit einem Trömmeli bewaffnet auf dem Boden. Wir können eben auch in speziellen Situationen ganz gut spielen und unser Publikum begeistern.
Daneben haben wir auch noch auf der Strasse vor einem Restaurant gespielt, was ja an und für sich nichts ausserordentliches ist. Aber als die Bäckerin von nebenan mit einem Tablett voll Schenkeli – mit einem Hauch Zimt – gekommen ist, waren wir doch positiv überrascht. Eine Überraschung war auch der Auftritt am Sonntag in der Apotheke beim Bahnhof. Ein Novum für uns, haben wir doch nich nie in einer Apotheke gespielt.
Genug von Auftrittsorten. Wir haben auch durchaus spezielle Personen getroffen. Zwei sind mir im Gedächtnis geblieben, auch wenn ich die eine nur vom Hörensagen her kenne. Eine recht rabiate junge „Dame“ mit einer Handtasche. Wartend auf den Umzug war ich Pastis trinkend in einer Bar, als plötzlich zwei Harlekinas hereinkamen und berichteten, sie seinen von einer Frau handtaschenschwingend verfolgt worden. Verständlich, hat sich doch eine ganze Gruppe Harlekinas auf ihren Freund gestürzt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Besagter Freund war nämlich mit einer Gruppe gleichgesinnter als Footballspieler verkleidet und sie haben dementsprechend mit einem Football herumgespielt. Unsere Ladies wollten mitspielen und haben sich auf den mit dem Ball gestürzt, mit der Konsequenz, dass sie den Freund von besagter „Dame“ erwischten. Diese wiederum fand das nicht so lustig, da sie sich plötzlich einer grossen Konkurrenz ausgesetzt sah. Ergebnis der Aktion: die Furie verfolgte – nach einigem Sticheln natürlich – handtaschenschwingend ein paar Harlekinas und der arme Kerl musste sich vor seinen versammelten Freunden von ihr eine Standpauke anhören. Und – wir trauen ja keinem – sie marschierte den ganzen Umzug neben der Gruppe Footballer her!
Eine andere durchaus spezielle Frau – warum waren das nur Frauen? – tanzte uns im grossen Festzelt über den Weg. Sie brachte im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne zum Beben. Ich will ja nicht lästern, ich weiss, meine Figur ist weit entfernt von jeglicher Perfektion, aber so kleiden würde ich mich nicht einmal an der Fasnacht. Ein hautenges, rückenfreies, kurzes Kleid in schwarz, bei dem man hintenrum den BH sah. Das mag ihr Problem sein, kann der geneigte Leser jetzt einwenden. Und da hat er durchaus recht. Aber wenn man durch exzessives Tanzen die Anti-Wolf-Pflaster an den Oberschenkeln entblösst – zum Glück nur die -, dann ist das was anderes. Moderner Technik sei dank gibt es von dem Tanz ein Video, moderner Technik sei dank hat es das Video nicht bis auf meinen Rechner und damit auch nicht in diesen Blog geschafft. Ich denke, jeder kann sich die Szene vorstellen, wenn er das wünscht.

Gruss Butch

EL Butch in YverdonPS: Beim durchsehen unserer Fotogalerie bin ich auf ein Foto aus Yverdon gestossen, das mich nachdenklich gestimmt hat. Warum hält sich die Frau an der Bar die Ohren zu? So schlecht habe ich in Yverdon nicht gespielt. Glaube ich jedenfalls!

Freitag, 30. März 2007