Wie, wo, wann und warum entstand die Guggenmusik?

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Gerne greife ich de Frage von Sabi aus dem Kommentar zu meinem letzten Blog auf: „Wie, wo, wann und warum entstand die Guggenmusik?“
Bei meiner Recherche stiess ich auf einen Artikel von Dominik Wunderlin aus dem Heft „Schweizer Volkskunde“ von 1985 mit dem Titel „Ursprung der Guggenmusik“. Auf diesen Artikel beziehe ich meine folgende Antwort auf die Frage von Sabi.
Umzüge mit Lärmgeräten sind im Volksbrauch eine weltumgreifende Erscheinung. In unserem Kulturkreis kennen wir Lärmumzüge vor allem bei Winter- und Frühlingsbräuchen. Unter Begriffen wie „Tschättermusik“ oder „Katzenmusik“ sind diese improvisierten Musikgruppen bei uns seit langem bekannt. Diese älteren Bezeichnungen wurden im 20. Jahrhundert weitgehend abgelöst durch das Wort „Guggenmusik“. Dieser neue Begriff, und mit ihm zu einem grossen Teil die Sache selber, scheint sich von Basel aus verbreitet zu haben. In einem Basler Karnevalsbericht aus dem Jahr 1852 ist die Rede von einer Musikgruppe, die, gekleidet in Schlafrock und Zipfelkappe, mit Trompeten, Pauken, Piccolo, Bombardon (Tuba), Kornett und Pauke durch die Gassen zog. Diese Beschreibung tönt schon verdächtig nach Guggenmusik, auch wenn sie noch nicht so genannt wurde. Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von Guggenmusiken als sicher angenommen werden. Das Wort „Guggenmusik“ erscheint das erste Mal 1906 im Basler „Verzeichnis der Fasnachtszüge“. Bis zum Kriegsausbruch 1939 begegnet man in Zeitungsberichten immer wieder Guggenmusiken an der Basler Fasnacht, auch wenn das nicht immer von allen Leuten gern gesehen war.
Fasnachtsumzug in Baden 1912Erneut richtig los ging es mit den Guggenmusiken in Basel 1946, an der ersten Nachkriegsfasnacht, als sieben Guggenmusiken teilnahmen. 1962 wurde der Morgenstreich zur ersten Mal ohne Guggenmusiken durchgeführt. In Gegenzug versprachen die Trommler- und Pfeiffer-Cliquen, zukünftig am Dienstagabend das Gebiet zwischen Markt- und Barfüsserplatz nicht mehr spielend zu betreten. Diese Regelung hatte Erfolg, wurde der Dienstag bald zum „Guggezyschtig“.
In Basel sind also Guggenmusiken seit etwa 1900 bezeugt, Basel kann demnach als Ursprungsort der „Guggenmusikbewegung“ bezeichnet werden, eine Bewegung, die in die ganze Schweiz und sogar über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlte. In Luzern, wo 1948 eine Basler Formation am Fritschi-Umzug teilnahm, wurde noch an der gleichen Fasnacht eine Guggenmusik gegründet. Diese Gruppe, nahm 1949 an der Zürcher Fasnacht teil, wo bereits 1948 auf Initiative von zwei „Heimwehbaslern“ eine Guggenmusik entstanden ist. In Solothurn, wo die „Chesslete“ schon lange den Fasnachtsbeginn markierte, liess man sich 1949 inspirieren und gründete die erste Solothurner Guggenmusik.
Sabi, ich hoffe, ich konnte deine Frage zufrieden stellend beantworten. Auf weitere spannende Fragen freue ich mich.

PS: Das Bild zeigt den Badener Fasnachtsumzug von 1912.

Guggenmusik?

Von | Allgemein | Ein Kommentar

Die Fasnacht ist schon seit längerem vorbei, auch unsere GV liegt hinter. Die Harlekinos sind in ihren Sommerschlaf gefallen, aus dem sie ab und zu gewekt werden, z.B. fürs Guggereisli oder den Ironman in Rapperswil. Tja, was tut Harlekin so, wenn er nicht Proben oder Fasnächtlen kann? Er stellt sich fragen, die er schon immer mal beantwortet haben wollte, aber nie die Zeit dafür gefunden hat.
Zum Beispiel: „Was heisst eigentlich Guggenmusik?“ Wir sind eine Guggenmusik und wir machen Guggenmusik, aber was ist das eigentlich? Gefragt, getan!
Das „Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache“ aus dem Jahr 1885 vermerkt unter dem Eintrag „Guggi“ (da ist nicht der Gäbe gemeint!): Horn, Trompete und das im scherzhaften Sinne gemeint. Analog dazu heisst das Verb „guggen“ also: auf einem Horn blasen, scherzhaft „schlecht auf einem Instrument blasen“.
Eine Guggenmusik ist als im eigentlichen Wortsinn eine Blasmusik, die schlecht spielt – ob absichtlich oder unabsichtlich, lassen wir mal beiseite. Einen eigenen Eintrag für „Guggenmusik“ gibt es übrigens im besagten Wörterbuch – auch „Schweizerisches Idiotikon“ genannt nicht.
So dann wäre diese Frage jetzt beantwortet. Falls jemand an weiteren spannenden Fragen rumgrübelt, soll er oder sie diese doch hier als Kommentar hinterlassen. Ich freue mich schon auf interessante Fragen.

Schultz der Tubist besucht Tom und Jerry

Von | Allgemein | Keine Kommentare

Da surfe ich ganz unschuldig im Netz und verwende das Stichwort „Tuba“ – was soll ich sonst tun als Tubist. Und da stosse ich auf einen Link mit dem Namen „Tom and Jerry – The Tuba Tooter“. Interessiert wie ich an allem Neuen bin, klicke ich weiter, gespannt, was Tom und Jerry mit einer Tuba am Hut haben. Ich stosse dabei auf folgendes Video:

Beim schauen des Films war ich doch etwas erstaunt, stelle ich mir unter „Tom und Jerry“ Katz und Maus vor und keine Menschen. Doch eine kleine Recherche bringt Klarheit. Mein Film stammt aus dem Jahr 1932 während die allseits bekannten „Tom und Jerry“ erst ab 1940 gezeichnet wurden. Tom und Jerry in meinem Film sind übrigens die beiden Burschen, die – geweckt von Schultz, dem deutschen Tubaspieler – aus dem Bett springen und Klavier spielen. Das Umptata-Ding, das Schultz im Strip spielt, war laut meiner Recherche total in in den zwanziger Jahren und wurde daher für diese Folge von „Tom and Jerry“ verwendet.
Nachdem der ursprüngliche Produzent – die Van Beuren Studios, die „Tom and Jerry von 1931 bis 1933 prodizierten – in den fünfziger Jahren übernommen wurden, bekamen die beiden Hauptfiguren der Cartoon neue Namen: Dick and Larry. Mir gefällt „Tom und Jerry“ aber irgendwie besser, auch wenn man sich normalerweise Katz und Maus unter diesen Namen vorstellt. Vielleicht gefällt mir der Cartoon auch einfach, weil mit Schultz ein Tubist die Hauptrolle spielt. 🙂
Wer sich den Clip in guter Auflösung und total legal runterladen will, kann das hier tun. Mit „hier“ ist ein Klick auf hier gemeint.

Regeln an der Fasnacht

Von | Fasnacht | Ein Kommentar

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, wir fahren morgen nochmals an die Fasnacht. Am Samstag sind wir in La Chaux-de-Fonds und am Sonntag in Avenches. Wie es sich so für einen guten Guggenmusiker gehört, habe ich mich mal im Internet über die Fasnacht an diesen beiden Orten schlau gemacht. Und siehe da, die Organisatoren der Fasnacht in Avenches geben im Internet einige Regeln bekannt.
Nun sind Regeln an der Fasnacht nichts Neues für uns. Fast jedes Komitee hat irgendwelche Regeln für seine Fasnacht. Das kann ein Verbot sein – uns wurde schon verboten, während des Umzugs Feuerwerk abzubrennen, wie wenn wir spielen und zündeln gleichzeitig könnten – oder ein Gebot – wie das Gebot in Andelfingen, für die Unterkunft Toilettenpapier mitzubringen.
Regeln für die FasnachtWas sich aber das Komitee von Avenches wünscht ist doch eher speziell. Es sind drei Regeln (c.f. Bild):
1) Man grüsst sich nicht mit „Salut“, sondern mit „Ave“.
2) Man siezt sich nicht, man ist an der Fasnacht per Du.
3) Diese Regel habe ich nicht ganz verstanden, auch mein Dictionaire konnte mir nicht weiterhelfen. Aber es scheint ums Trinken zu gehen und das ist doch etwas tolles. (Wer mir nähere Angaben zu dieser Regel machen kann, soll dies soch im Kommentarbereich des Blogs tun.)
Auch die Bilder bei den Regeln können auf den ersten Blick erstaunen. Auf den zweiten Blick werden sowohl die Bilder als auch ein Teil der Regeln klar. Avenches war zur Zeit der Römer bekannt unter dem Namen Aventicum. Wer mehr über Aventicum erfahren möchte (und das sind wohl alle – kleine Hoffnung des Historikers :-)), der schaue sich hier den Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz an.

Vom Reinigen des Instruments

Von | Allgemein, Fasnacht | Ein Kommentar

Heute habe ich mein Sousaphon auseinander genommen, um es einer gründlichen Reinigung zu unterziehen, sind doch an den vergangenen Anlässen einige Konfetti ins grosse Rohr gelangt. Nicht alleine wegen eines ominösen Sousaphonisten einer anderen Rapperswiler Gugge.
Nun, das Reinigen an und für sich ist nichts spannendes und auch nicht der Grund, warum ich diesen Eintrag schreibe. Erstaunt habe ich aber festgestellt, dass doch einiges Platz hat in einem solchen Instrument. Dass eine riesen Menge Konfetti rauskommen, damit habe ich gerechnet. Dass etwa 30 Liter Bier in ein Sousaphon passen, habe ich auch gewusst. Was aber beim Ausspülen rausgekommen ist, hat mich vom Hocker gehauen.
Seit dem Freitag der Rappi-Fasnacht im Südquartier bei den Südfägern vermisste ich das Netz, das über den Trichter gespannt ist, um Konfetti abzuhalten. Ich meinte, ich hätte es auf dem Heimweg verloren. Dem ist nicht so. Es hat sich im Rohr meines Instruments versteckt und ist erst heute wieder zum Vorschein gekommen. Da wundert es mich auch nicht, dass Cécile immer das Gefühl hatte, sie höre mich nicht. Sie hat mich nicht gehört, ich hatte ja auch einen wunderbaren Dämpfer im Sousaphon. 🙂