Eine Leiche im Keller oder Schlafen in der Notunterkunft

Von 30. August 2007 Fasnacht Keine Kommentare

Eine Leiche im Keller haben – sprichwörtlich gemeint – die meisten von uns. An der Fasnacht in Andelfingen hatten wir nicht nur sprichwörtlich eine solche bei uns.
Ich muss vielleicht ein wenig ausholen. Liebe Leserin, lieber Leser, du hast dich vielleicht auch schon gefragt, wo und wie wir übernachten, wenn wir auswärts an der Fasnacht sind. Meistens sind das Turnhallen oder Zivilschutz- respektive Notunterkünfte, wie sie die meisten Männer vom Militärdienst her kennen. Dass es da nicht immer allzu ruhig ist kann sich jeder vorstellen. Von Schnarchen bis frühmorgendlichem Singen – …äm Hans sis Mami isch en Maa… – haben wir schon alles erlebt. Aber was und in Andelfingen passiert ist, schlägt alles.
Der ominöse HutBeim Aufstehen am Morgen – noch ist es dunkel in der Unterkunft – stellt ein Harlekin fest, die Leiche ist weg. Ungläubiges und noch etwas müdes Lachen antwortet ihm, doch er hält fest: „Gestern Nacht lag hier am Boden einer und hat tief und fest geschlafen und er gehört nicht zu uns.“ Übrig ist nur noch eine undefinierbare Pfütze. Als das Licht angeht, wird das Ausmass der Pfütze klar und mittendrin steht ein gehörnter Hut. Was von der Leiche übrig war. Ein anderer Harlekin stellt fest, dass seine Schuhbändel in der Pfütze liegen und versucht mit dem Geruchstest herauszufinden was das für eine Lache ist. Keine Chance.
Die Leiche im BettDa stellt sich heraus, dass der Besitzer des Hutes doch keine Leiche ist, sich aber in einem todähnlichen Schlaf im anderen Teil unseres Zimmers befindet. Und es bewahrheitet sich: der Typ in seinem Pelzkostüm gehört definitv nicht zu uns. Verschiedene Veruche ihn zu wecken um näheres über ihn zu erfahren schlagen fehl. Das einzige, das wir herausfinden ist, dass er komisch spricht, so in etwa, wie unsere Nachbarn im Norden. Auch auf unsere Verkleidungsaktion mit WC-Papier reaiert er nicht. Ebenso wenig auf mein virtuoses Sousaphonspiel direkt neben seinem Ohr. Na ja, wir witzeln noch ein wenig und fragen uns, ob der unbekannte wohl noch da ist, wenn wir zurück kommen um unser Gepäck zu holen. Für uns ist es auf jeden Fall Zeit zum gehen, Kaffee und Gipfeli warten.
Wartend auf den Umzug macht sich ein Harlekin auf den Weg zu unserer Unterkunft um etwas Kleidung abzuladen – wir haben uns alle zu warm angezogen. Wer läuft ihm vor der Notunterkunft über den Weg? Richtig geraten – unser Fellmann! Er habe noch etwas müde und verkatert ausgesehen, hätte aber dennoch Auskunft geben können. Er habe sich ab unseren Aktionen nicht gestört gefühlt und die Pfütze am Boden sei Bier gewesen. Aha! Aber was ihn in unser Zimmer verschlagen hat konnte er nicht beantworten. Nun gut, immerhin wissen wir jetzt, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht.
Nach dem Umzug treffen wir eine süddeutsche Hexe, mit der wir schon am Abend vorher geplaudert haben und auf unsere Nachfrage bestätigt sie uns, dass der besagte Typ mit ihnen unterwegs sei, sie ihn allerdings nicht kenne, da er „nur“ der Cousin einer Mithexe sei und er sich ihnen für die Andelfinger Fasnacht angeschlossen habe. Kurz darauf – wir sitzen in der Sonne vor dem Guggenkeller und essen unsere Wienerli mit Bier – haben wir ein Aha-Erlebnis. Unser Fellmann steht in der Warteschlange und er scheint uns zu erkennen. Er hat auch einen Kollegen dabei, der aussieht wie er und der in unsere Richtung andeutet, der andere sei übrigens unser mysteriöser Fellmann. Wir kennen ihn jetzt und dass er wieder fit ist beweist er uns, indem er aus dem (Bier-)Becherlein eines Harlekins trinkt. Ende gut, alles gut. Und dass besagter Harlekin sein Bier nicht mehr fertig getrunken hat, kann ich durchaus vertstehen.

Gruss Butch

PS: Wer das Notunterkunftfeeling auch einmal erleben möchte, melde sich doch bitte bei Frau Barbara Keller-Inhelder. Sie hat einschlägige Erfahrung mit Notunterkünften.

Montag, 5. März 2007